|
|
Seite 2 von 3 Leben und Wirken dominikanischer Laien am Ende des 20. Jahrhunderts In unserer norddeutschen Ordensprovinz sind heute ungefähr 650 Laien in 14 Gemeinschaften zusammengeschlossen; einige von ihnen leben und wirken als Einzelmitglieder fernab von Konventen oder Gruppen. Zu den dominikanischen Laien gehören verheiratete wie unverheiratete Frauen und Männer unterschiedlichen Alters und verschiedenster Berufsgruppen. Die Regel von 1985 sagt über diese Menschen: »Als Mitglieder des Ordens sind sie auf ihre Weise Träger der apostolischen Sendung in Gebet, Studium und Predigt.« (Nr. 4) Gebet: Zum Gebetsleben gehören das tägliche Stundengebet und die möglichst tägliche Teilnahme an der Eucharistiefeier - soweit die familiären und beruflichen Verhältnisse dies zulassen. Meditation und Schriftlesung stellen weitere Möglichkeiten dar, der dominikanischen Berufung im Laienstand gerecht zu werden. Studium: »Semper studere - immer studieren!« So fasst Guy Bedouelle OP die Empfehlungen des Dominikus an seine Weggefährten zusammen. Unsere Regel beschreibt die »wichtigsten Quellen, aus denen eine erfolgversprechende dominikanische Schulung schöpfen muss« (Nr. 13), wie folgt: Das Wort Gottes und das theologische Denken und Nachdenken, das liturgische Gebet, Geschichte und Tradition des Ordens, die neueren Dokumente der Kirche und des Ordens, das Erkennen der »Zeichen der Zeit« (vgl. Nr. 13). An dieser Stelle wird deutlich, dass die Laien unverzichtbarer Bestandteil des Gesamtordens sind. Vincent de Couesnongle OP, vorletzter Ordensmeister der Dominikaner, schrieb 1983: »Der Tertiar von früher lebt heute nicht mehr in der dem Kloster angeschlossenen Herberge. Er „wohnt“ aufgrund seines Engagements und seiner Mitverantwortung im Kloster selbst. Das heißt, der ganze Orden würde es sehr spüren, wenn der Laie fehlen würde. « Wie man versuchen kann, die Forderung nach Weiterbildung, Engagement und Mitverantwortung zu leben, soll kurz am Beispiel der Düsseldorfer »Las-Casas-Gruppe« erläutert werden: Die Mitglieder dieser Laiengemeinschaft treffen sich wöchentlich und beginnen ihren gemeinsamen Abend mit dem Gebet der Vesper oder einer gemeinsamen Eucharistiefeier. Es folgt ein Vortrag oder ein Referat zu einer vorher festgelegten oder aktuellen Thematik mit anschließender Diskussion. Referenten/ innen kommen aus den eigenen Reihen, es sind Brüder des Konventes oder auch Gäste von außerhalb. An anderen Abenden folgt dem Gebet eine Schriftlesung mit nachfolgender Betrachtung. Auch gesellschafts-, tages- oder kirchenpolitische Ereignisse können die Fragestellungen eines Abends bestimmen. Themen, die in letzter Zeit behandelt wurden, waren zum Beispiel die Gleichnisse Jesu, die Leidensgeschichte, der »§ 218« und der 500. Jahrestag der Eroberung Lateinamerikas. Daneben gab und gibt es immer wieder einen vorbereitenden Gedankenaustausch zu den Predigtreihen der Brüder des Konventes. Weiterhin beteiligt sich die Gruppe seit Jahren an verschiedenen sozialcaritativen Projekten. Jeder Gruppenabend endet mit einem gemeinsamen Essen. Andere Gemeinschaften treffen sich 14tägig oder monatlich. Sie alle arbeiten nicht mehr unter der Leitung eines »geistlichen Direktors« aus den Reihen der Mitglieder des Konvents, dem sie sich angeschlossen haben; vielmehr werden sie heute von einem »geistlichen Assistenten« begleitet. In Speyer nimmt erstmals eine Dominikanerin des dortigen Instituts den Dienst der Assistentin wahr. Predigt: Normalerweise verstehen wir unter Predigt das Wort des Priesters im gottesdienstlichen Rahmen. Durch die Laienpredigt kann diese Vorstellung sicher hier und da ergänzt werden. Für die Dominikanische Familie einschließlich der Laien muss man den Predigtbegriff jedoch viel weiter fassen. Noch einmal sei Vincent de Couesnongle OP zitiert: Ohne die Laien stehen die Dominikanerbrüder »allein vor der Welt, die sie evangelisieren sollen und deren Situation, Sehnsüchte, Ängste sie nur schlecht kennen«. Engagierte Laien können Menschen, die Gott suchen oder die von »der Kirche« enttäuscht sind, vielleicht einen neuen Zugang zu Gott schaffen, zumindest aber überall dort Türen öffnen, wo die Anwesenheit eines Ordensmannes oder einer Ordensfrau eine Hemmschwelle darstellen, wenn nicht sogar Ablehnung hervorrufen würde. Neue Formen der »Predigt«, des Sich-Kümmerns um Suchende, des Zuhörens bei Verzweifelten und Alleingelassenen, des soliden Ratschlags für Ratlose, kurz: neue Formen der Seelsorge können Schwestern und Brüder nur zusammen mit den Laien finden. So können sie - jede an ihrem Platz und jeder in seinem Stand - gemeinsam Licht sein in der Welt und damit der Einladung ihres Ordensvaters folgen, Ihn nachzuahmen. |
|||||

Dominikanische Laien von 1285 bis heute 
