Europäischer Rat der Dominikanischen Laiengemeinschaften

European Council of Lay Dominican Fraternities – ECLDF

Wahl eines neuen Rates

Sowohl auf europäischer als auch weltweit internationaler Ebene sind die Dominikanischen Laiengemeinschaften vernetzt, um über nationale Grenzen hinweg den Geist der dominikanischen Familie zu leben:
Anteil aneinander zu nehmen, sich gegenseitig zu unterstützen und voneinander zu lernen und dabei die Vielseitigkeit spiritueller Bedürfnisse und Sprachen zu erleben.
Repräsentiert und koordiniert werden diese Netzwerke durch den Rat, der alle vier Jahre von Vertretern aller Provinzen gewählt wird.

Die Wahl des aktuellen Rates für die Periode 2017 – 2021 fand Anfang Oktober 2017 durch die Versammlung der Provinzvertreter in Fatima statt. Gewählt wurden:
Maro Botica (Spanien), Felix Hoffmann Süddeutsche-Österreichische Provinz), Damien McDonnnell (Irland), Ludovic Namurois (Belgien), Vilija Šemetienė (Litauen).
Als europäischer Delegierter für den Internationalen Rat wurde (ab 2019) Gabriel Silva (Portugal) gewählt.
Wir wünschen den Ratsmitgliedern Gottes Segen für ihre Aufgabe!

Die Versammlung wurde von einem inspirierenden Programm begleitet. Thematisch stand es im Zeichen der Predigt der Hoffnung. Die europäischen Provinzen hatten im Vorfeld dieses Treffens die „Kette der Prediger der Hoffnung“ angestoßen, in der jede Provinz ein Beispiel einer Predigt der Hoffnung gegeben hat.

In Fatima sprachen:

  • Ordensmeister Pater Bruno Cadoré über „Gemeinschaft als Weg der Predigt“
  • Pater Timothy Radcliffe darüber, wie unsere Brüder und Schwestern in der arabischen Welt uns Hoffnung lehren können
  • Yosé Höhne-Sparborth über „Viele Gesichter der Hoffnung“

Ordensmeister Pater Bruno Cadoré: „Gemeinschaft als Weg der Predigt“
Pater Bruno ermunterte, ja beauftragte uns Laien, unser Leben als Predigt zu begreifen: das zu leben, was wir predigen. Die Kirche ist zuerst eine Gemeinschaft von Gläubigen, jeder in der Kirche ist zur Evangelisierung beauftragt. Als Laiendominikaner haben wir uns dafür entschieden, das Wort Gottes in Zugehörigkeit zur Fraternität und Gemeinschaft zu verkünden.
Auch Jesus hat eine Gemeinschaft gegründet, sein Wort zu predigen. Gemeinschaft zu werden ist Auftrag und Hoffnung der Kirche. Dieses Bild und diesen Auftrag hatte auch der Heilige Dominikus im Sinn bei seiner Ordensgründung.
Der Orden der Prediger ist ein Orden der Gnade Gottes und des Heils, wenn wir in Gemeinschaft geschwisterlich handeln. Sicherlich gelingt das nicht immer perfekt, aber das Bemühen und das Bewusstsein einer Gemeinschaft zählen. Die Gnade Gottes wirkt in der Welt und in jedem Individuum – und damit auch in der Gemeinschaft.
Als Europäer haben wir eine besondere Beziehung zur Gemeinschaft, denn nach Jahren der Kriege der Nationen gegeneinander ist es gelungen, ein vielfältiges gemeinsames Europa zu gestalten.
Evangelisation ist eine spirituelle Reise, in der man akzeptiert, nicht der Bestimmer über sein Selbst zu sein.
In Gemeinschaft ist die Leitfrage: Was nutzt den anderen?
Gemeinschaft bedeutet auch, offen für neue und Neues zu sein und damit auch eine Veränderung der Gemeinschaft zuzulassen.
Die Dominikanische Familie lebt von den verschiedenen Glaubenserfahrungen – den Erfahrungen der Priester, der Nonnen und Schwestern, der Laien. Diese Erfahrungen sind wie Mosaiksteine, die ein Bild gestalten.

Pater Timothy Radcliffe: „Wie unsere Brüder und Schwestern in der arabischen Welt uns Hoffnung lehren können“
Wie können wir – nach der Aufbruchszeit der 60-er Jahre – noch hoffen angesichts der Katastrophen, mit denen wir täglich konfrontiert werden? Ökologische Katastrophen, Kriege, Finanzkrise? Wie können wir jungen Menschen Hoffnung geben, wie können wir selber hoffen?
„Wenn Du Hoffnung suchst, dann gehe zu den Plätzen, an denen es offensichtlich keine Hoffnung gibt“ – so sagt Pater Timothy und verweist auf Hosea 2.16 „Ich werde sie in die Wüste gehen lassen und ihr zu Herzen reden“. Pater Timothy geht in die Wüsten, nicht weil er meint, Vieles mitbringen zu können, sondern weil er so oft dort von seinen Brüdern und Schwestern Gottes zu Herzen gehende Worte gehört hat.
=> Es gibt immer andere, denen es schlechter geht als einem selber.
So oft hat Pater Timothy in den Gesprächen mit den Opfern der Gewalt gehört, dass es anderen noch schlechter geht, dass sie noch mehr der Hilfe benötigen.
=> In der Wüste werden die alltäglichen Sorgen sehr klein.
Eine prägendes Erlebnis in 1998: Pater Timothy war in Bagdad zur Zeit eines Bombenangriffs. Auf die Frage an seinen Mitbruder Yusuf, Erzbischof von Kirkuk, ob er die Nacht habe schlafen können angesichts der Todesgefahr, erhielt er zur Antwort: „Wenn du solange im Angesicht des Todes lebst, fragst du dich nicht, wann du stirbst, sondern ob du aufstehst.“
=> Die zwei Hoffnungen im Arabischen: amal = Optimsmus und raja = Gottvertrauen.
Den Optimismus, amal, haben die Iraker fast vollständig verloren, aber sie halten an ihrem Gottvertrauen, dem raja fest.
=> Gottvertrauen durch und im Gebet, insbesondere der Eucharistiefeier
Die Eucharistie ist das Sakrament des Sieges und der Hoffnung
=> Gottvertrauen in Lied und Gesang
Gesang drückt Hoffnung über unsere Worte hinaus aus und verbindet über Grenzen hinweg
=> Gottvertrauen im Beharren und Bleiben
Zitat aus dem Film: Von Menschen und Göttern: Die Trapistenmönche in Tibhirine, Algerien, leben friedvoll mit der muslimischen Bevölkerung zusammen. Als radikale Islamisten sie auffordern, das Land zu verlassen, entscheiden sie sich trotz der dann drohenden Todesgefahr, zu bleiben. Im zitierten Dialog sagt einer der Mönche seinem muslimischen Nachbarn: „Wir sind wie Vögel auf einem Ast, Vögel, die nicht wissen, ob sie wegfliegen werden oder auf dem Ast bleiben. Da erwidert der Moslem: Wir sind die Vögel und Ihr seid unser Ast. Wenn Ihr geht, dann verlieren wir unseren Grund“.
=> Das Gute tun auch im Angesicht des Schreckens – Selbstlosigkeit
Beispiel: Im Vernichtungslager Ausschwitz gab ein Gefangener einem anderen jeden Tag von seiner Brotration ab. Dieser schilderte das so: „Ich glaube, ich verdanke diesem Mitgefangenen wirklich mein Leben – nicht so sehr wegen der materiellen Hilfe, sondern weil er mich durch seine Güte immer daran erinnerte, dass es eine Welt außerhalb unserer eigenen gibt, in der etwas und jemand rein sind und ganz, vollständig; und nicht korrupt oder wild. Etwas, das schwierig ist, zu definieren, eine schwache Möglichkeit des Guten, für die es sich lohnte, zu überleben. Dank dieses Gefangenen gelang es mir, nicht zu vergessen, dass ich ein Mensch bin.“
=> Gottvertrauen durch Lehre und Lernen
Das ist ein wunderbarer Ausdruck von Hoffnung, eine langfriste Antwort gegen die wachsende Flut des Fundamentalismus. Keine Frage sollte verboten werden! Vincent McNabb, ein nordirischer Novizenmeister zu Beginn des letzten Jahrhunderts sagte seinen Novizen immer: „Denk! Denke alles, aber um Gottes Willen, denk!“

Yosé Höhne-Sparborth: „Viele Gesichter der Hoffnung“
In Europa geht es sehr schnell um “gut oder schlecht”. Im Grunde ist das eine Vereinfachung der Wirklichkeit, die Fragen aufwirft: Wem nutzt diese Vereinfachung? Wer lanciert sie? Welche Wirkung hat sie auf uns?
Meine Erfahrungen in den 1980 in Osteuropa, von 1996 in Lateinamerika und seit 2002 im Irak haben mich aufmerksam gemacht für die komplexen Zusammenhänge die hinter den Mainstream Informationen stehen.
In Erzbischof Yousif Thomas Mirkis OP von Kirkuk lernte ich eine Person kennen, die immer in der Lage ist, Menschen Hoffnung zu schenken, und die immer in der Lage ist, Hoffnung zu formulieren und Hoffnung in immerwährend wechselnden Situationen zu leben. Seine theologische Interpretation ändert sich ebenfalls, wobei ich sie keinesfalls als beliebig bezeichnen möchte, dafür ist er zu dominikanisch. Ich würde sagen, er ist ein Theologe der Eschatologie, der Hoffnung auf die Vollendung, ein Theologe der Zukunft. Seine wichtigste Frage an die Moslems ist, warum sie auf der Grundlage der Vergangenheit leben, da das Fundamentalismus nährt.
Durch sein Handeln wird Erzbischof Yousif Thomas Mirkis OP zum Propheten der Hoffnung. In jeder Situation sieht er, welche Menschen Hoffnung geben und er er sucht nach kreativen und entschiedenen Wegen, diese Hoffnung zu erfüllen.
Noch ein weiteres zeichnet Erzbischof Yousif Thomas Mirkis OP aus: im Laufe der letzten 100 Jahre hat sich unsere Gesellschaft von einer Produktionsgesellschaft zu einer Konsumgesellschaft entwickelt. Und die wenigen Leute, die über das bestimmen, was und wie produziert wird, bestimmen über unsere Hoffnungen und deren Preis.
Erzbischof Yousif Thomas Mirkis OP initiiert verschiede Möglichkeiten, in denen Menschen wieder die „Produzenten“ ihrer Hoffnungen werden können, wieder ihre Situation „in Besitz“ nehmen können. Er sucht nach Möglichkeiten, in denen Menschen sich für ihre eigene Zukunft einsetzen können, dafür arbeiten können. Im Ergebnis lassen sich die Menschen nicht mehr so leicht emotional manipulieren, sondern sie verstehen, wie ihr emotionaler und operativer Beitrag zu einem Weg der Hoffnung wird.

Auf Youtoube stehen verschiedene Videos von Sr. Yosé Höhne-Sparborth

Weitere Informationen, insbesondere Zusammenfassungen der Beiträge von unserem Ordensmeister Pater Bruno Cadoré, Pater Timothy Radcliffe und Sr. Yosé Höhne-Sparborth  finden Sie auf der Seite des
European Council of Lay Dominican Fraternities – ECLDF