ICLDF-Kongress der Dominikanischen Laien in Fatima vom 4.-10. Oktober 2018

“Our Future: Justice, Peace and Care of Creation” „Unsere Zukunft: Gerechtigkeit, Frieden und Sorge um die Schöpfung“ unter diesem Motto trafen sich dominikanische Laien aus allen Kontinenten, so z.B. weit gereist zwei Australier und zwei junge Vietnamesinen, mit zwölf Teilnehmern war die Delegation aus Kamerun die zahlenmäßig größte und dies trotz Bürgerkrieg und teilweise sehr schwieriger und langwieriger Anreise. Der Delegierte aus Venezuela, der es trotz der komplizierten Situation in seinem Land geschafft hatte, nach Fatima zu kommen, wurde mit einem besonderen Applaus begrüßt. Von der Teutonia konnten Hans Gasper, P. David und ich (Margret Burkart) sowie Hilda Merkl aus Ungarn teilnehmen, außerdem war Klaus Bornewasser in seiner Funktion als ICLDF-Mitglied dabei. Die dominikanische Familie aus Portugal begrüßte uns mit großer Herzlichkeit und begleitete uns während des  gesamten Kongresses mit viel Umsicht und Fürsorglichkeit.

Wie wichtig das Thema „Frieden, Gerechtigkeit und Sorge um die Schöpfung“ ist, führten uns die Berichte zu ihrer jeweiligen Lebenssituation einiger Delegierter deutlich vor Augen.

Hector L. Marquez vom ICLDF und unser Generalpromotor Fr. Rui eröffneten den Kongress und stellten das Arbeitsprogramm vor.

Der Ordensmeister P. Bruno Cadoré war am Samstag und Sonntag bei uns, am gesamten Kongress anwesend zu sein – wie er es ursprünglich geplant hatte –, war nicht möglich, da er vom Papst zur Teilnahme an einer zeitgleich stattfindenden Jugendsynode verpflichtet wurde. In seiner Ansprache betonte P. Bruno, wie wichtig die Gemeinschaft aller Zweige des Ordens für unsere Verkündigung ist, wir alle sollen „ein Leib sein“. Dazu stellte er uns einen Vergleich mit der Integralrechnung vor, das Integral ist zu berechnen auf Grund der Verschiedenheit der Variablen. Eine Funktion ist ohne die anderen Variablen unfähig. Die geschwisterliche Tischgemeinschaft (wie Dominikus, der mit seinen Brüdern am Tisch saß, er wollte „Bruder“ genannt werden) ist ein wichtiges Zeichen für uns und unsere Gemeinschaft. An diesem Tisch ist jeder wichtig, was der einzelne macht, betrifft uns alle. Es geht darum, vertraut mit den Menschen zu sein, dem anderen zu helfen, über sich selbst zu staunen. Es ist wichtig, den Menschen (auch in ihrer Kapazität zum Bösen) zu begegnen. Das Staunen über sich selbst ist der Anfangspunkt der Evangelisation. Wir müssen entdecken, wie schön und fähig der Mensch ist. Brüderlichkeit ist das integrierende Element der Evangelisation: Gemeinschaft anbieten, einen Ort schaffen, wo man gern hingeht.

Für die Arbeit des Kongresses waren verschiedene Kommissionen gebildet worden und zu jeder Kommission gab es einen eigenen Fragenkatalog, der zu bearbeiten war. Jede/r Teilnehmer/in arbeitete in einer Kommission mit.

Dies waren die Kommissionen:

  • Regeln und Statuten
  • Ausbildung und Formation
  • Kommunikation und Finanzen
  • Die Dominikanische Familie
  • Predigt und Gebet
  • Gerechtigkeit, Frieden und Sorge um die Schöpfung
  • Promotoren und Assistenten

Es waren arbeitsintensive Tage. Unser Tag begann um 9 Uhr mit Laudes und Messe. Dann gab es am Vormittag einen Vortrag, danach wurde bis zum Mittagessen und dann wieder ab 15 Uhr in den Kommissionen gearbeitet, um 17 Uhr traf man sich im Plenum, um die Vorschläge der Kommissionen zu hören, zu diskutieren und schließlich abzustimmen.

Um 19 Uhr war Vesper und um 20 Uhr endete der offizielle Teil mit dem Abendessen.

Im Plenum wurde in den Sprachen Englisch, Spanisch und Französisch gesprochen und jeweils in die anderen beiden Sprachen simultan übersetzt. Allerdings waren nicht immer für alle Sprachpaare genügend Dolmetscher da, so dass es mitunter zu Lücken bei der Übersetzung kam. In den Kommissionen wurde jeweils in einer Sprache gearbeitet, je nach der Mehrheit der Teilnehmer, nur die Kommission zur Ausbildung war so groß, dass sie sich in eine englischsprachige und eine spanischsprachige Gruppe aufteilte, mußte dann aber die Arbeitsergebnisse beider Gruppen zu einem Vorschlag zusammenführen.

Die Abstimmung und Konsensfindung über nicht nur unterschiedliche Sprachen, sondern auch unterschiedliche Kulturen, Hintergründe, Traditionen hinweg war für alle Kommissionen eine große Herausforderung. Sie erforderte viel Geduld und gegenseitiges Zuhören. Beeindruckend war dabei für mich die Erfahrung, dass trotz aller Unterschiede alles auf geschwisterliche und konstruktive Art erfolgte. Aber es war nicht zu vermeiden, dass wir mit der Arbeit in Verzug gerieten, deshalb wurde die Messe 30 Minuten vorgezogen und die Vesper fiel mehrfach aus. Auch der geplante gemeinsame Ausflug zum Kloster Batalha konnte deshalb nicht stattfinden. Nach dem Ende des Kongresses gab es dann allerdings für die TeilnehmerInnen, die nicht sofort, sondern erst am folgenden Tag abreisten, die Möglichkeit, den Besuch nachzuholen.

Inzwischen wurden die Akten des Kongresses veröffentlicht (auf der Homepage http://www.fraternitiesop.com) und man kann dort alle Beschlüsse und Empfehlungen nachlesen,

Auch die Vorträge, die an den Vormittagen gehalten wurden und uns sehr inspirierten und bewegten, sind in den Akten enthalten:

  1. Vivian Boland OP: „Die verschiedenen Aspekte der Ausbildung im Dominikaner-Orden

Sr. Lissette A. Aviles-Rios OP: „Ökologie und Sorge für die Schöpfung“

Duncan MacLaren OP (Laiendominikaner aus Glasgow und Mitglied der Internationalen
Dominikanischen Kommission für Gerechtigkeit und Frieden):Ein dominikanischer Blick
auf ganzheitliche menschliche Entwicklung
.Agenda für die Laien

  1. Gerald Stookey OP: „Christus ist unser Friede (Eph 2,17)“

Neben den offiziellen Arbeitsergebnissen, die nun in den Akten nachzulesen sind, bleibt für mich die bedeutendste und berührendste Erfahrung, so viele verschiedene dominikanische Charaktere, so viele sympathische Menschen, so viele engagierte Prediger und Predigerinnen kennengelernt zu haben und zu bemerken, dass trotz aller (Meinungs-)Verschiedenheit uns der eine gemeinsame Geist prägt, wir alle Geschwister sind am Tisch des heiligen Dominikus.

In ihrem Schlusswort am Ende des Kongresses hat Ruth Henderson die Ziele und Schwerpunkte des Kongresses perfekt zusammengefaßt:

Der internationale Rat der Laien hat mich gebeten, eine abschließende Erklärung zu diesem Kongress zum Thema „Unsere Zukunft: Gerechtigkeit, Friede und Sorge um die Schöpfung“ abzugeben. Zu gegebener Zeit werden wir alle eine Kopie der von den verschiedenen Kommissionen vorgeschlagenen und den von den Plenarsitzungen angenommenen Entschließungen erhalten. Lasst uns hier einige Fragen betrachten, deren Beantwortung sich aus der Zeit ergibt, die wir hier verbracht haben. 

  1. Was waren die Ziele des Kongresses?
    • Geschwisterlichkeit zu erleben durch unseren täglichen Kontakt und unser tägliches Miteinander über Nationen und Kulturen hinweg;
    • Raum für Stille und persönliches Gebet zu finden: Dies wurde durch die Möglichkeit der Anbetung vor dem Allerheiligsten jeden Morgen in der Kapelle erreicht;
    • nicht Einheitlichkeit oder Uniformität, sondern Einheit zu fördern: Wir sind auf vielfältige Weise sehr verschieden, aber dennoch eins in unserem Wesen als Dominikaner.
  1. Welche positiven Aspekte haben sich im Einzelnen ergeben?
  • Die Anwesenheit vieler Brüder, darunter auch einer Reihe von Mitgliedern aus der Ordenskurie:
    des Ordensmeisters, der sich Zeit für uns genommen hat, obwohl er derzeit an der Jugendsynode beteiligt ist; seines Vikars, fr. Miguel Angel Del Rio; des Sozius’ für das Apostolische Leben, fr. Orlando Rueda Acevedo; des Sozius für das brüderliche Leben und die Aus- und Weiterbildung, fr. Vivian Boland und viele mehr. Anwesend waren auch viele Promotoren aus verschiedenen Provinzen der ganzen Welt, die weder unsere Diskussionen dominierten noch ihre Meinungen durchsetzten, sondern uns zuhörten und immer unterstützten.
  • die Bestätigung, dass Kommunikation, ganz gleich ob sie direkt oder digital stattfindet, für alles, was wir tun oder zu tun hoffen von grundlegender Bedeutung ist;
  • ein stärkeres Bewusstsein für unseren Platz als Laiendominikaner im Predigerorden;
  • fruchtbare, friedliche Diskussionen in den Kommissionen: wir haben manchmal unterschiedliche Meinungen vertreten, aber immer in einem Klima brüderlichen Austauschs und geschwisterlicher Zusammenarbeit.
  1. Welche neuen Ziele sind entstanden?
    • Die Notwendigkeit einer regelmäßigeren und offeneren Kommunikation zwischen Gemeinschaften, Provinzen, Ländern und Regionen (Kontinenten);
    • das Bedürfnis nach mehr Einheitlichkeit in der Ausbildung: Hectór Marquéz zum Beispiel sagte uns, dass bei seinen Besuchen in seiner eigenen Region deutlich wurde, dass einige nur wenig oder gar keine Ausbildung haben, während andere zu starr und zu streng sind, und das ist wohl eine weltweite Wahrheit;
    • das Bedürfnis, ein Gleichgewicht zwischen einem extremen, exzessiven Klerikalismus in einigen Ländern und exzessivem Säkularismus in anderen zu finden.
  1. Was müssen wir klären?
    • Die Unterscheidung zwischen Regel und „Regulierungen“ (Vorschriften, Statuten), zwischen den grundlegenden Richtlinien für alle Laiendominikaner und einer übertriebenen Strenge, die dem Geist des hl. Dominikus widerspricht, der darauf bestand, dass die Nichtbeachtung der Regel ein Fehler ist, aber keine Sünde;
    • die finanzielle Situation: Klaus Bornewasser, der ICLDF-Schatzmeister, erklärte uns, dass selbst dann, wenn nur ein Drittel der Provinzen den festgelegten Beitrag von 1,50 € pro Person und Jahr regelmäßig entrichten würde, der Kongress für alle Delegierten hätte kostenlos stattfinden können.
  1. Welche Probleme haben sich ergeben?
    • vor allem der „Turm zu Babel Effekt“: Wir sprechen viele Sprachen, und das, was in einer Sprache klar erscheint, ist in einer anderen nicht unbedingt genau so. Wir hatten nicht das erwartete vollständige Team von Dolmetschern hier und einige von euch sind eingesprungen, um diese Lücken zu füllen. Und natürlich gibt es „falsche Freunde“: damit meine ich Wörter, die sich von einer Sprache zur anderen ähneln, in der Tat jedoch unterschiedliche Bedeutungen haben. All dies erfordert Wachsamkeit und die Zusammenarbeit von Menschen, deren Sprachkenntnisse es ihnen ermöglichen, zumindest einige dieser Probleme zu lösen.
  1. Was geschieht in der nahen Zukunft?
    • In den nächsten Wochen besteht die Möglichkeit, an einer anonymen Online-Bewertung dieses Kongresses teilzunehmen.
    • Es wird auch eine vollständige Online-Teilnehmerliste geben: Vor- und Nachname, Land, Geschlecht, Status (Frater, Schwester, Laie), E-Mail-Adressen und Telefonnummern.
  2. Und zum Abschluss unser Dank:
    • an die Dominikanische Familie in Portugal und ganz besonders an Christina Busto und Gabriel Silva, die so viel dafür getan haben, dass alles reibungslos laufen konnte;
    • an die Schwestern in Fatima;
    • an das Hotelpersonal für seine Herzlichkeit, Geduld und Effizienz;
    • an die Dolmetscher, diese unsichtbaren Engel;
    • an alle, die die Liturgie auf vielfältige Weise belebt haben;
    • An die Mitglieder des ICLDF Belen Tangco, Hector Marquez, Klaus Bornewasser, Joe Komandina und Felix Foko;
    • an die Zelebranten und Prediger;
    • an die Referenten – besonders erwähnt sei hier der einzige Laienreferent, mein Landsmann Duncan MacLaren;
    • an die vielen Brüder, die teilgenommen haben;
    • an unseren digitalen „Superman“ Edoardo Mattei;
    • An die beiden früheren Generalpromotoren der Laien, fr. Jerry Stookey und fr. David Kammler;
    • und natürlich an unseren aktuellen, äußerst geschätzten und geachteten Generalpromotor fr. Rui Carlos Antunes e Almeida Lopes für seine aufopferungsvolle Arbeit für und mit uns.

Danke, Gott segne euch alle!“

 Dieses Statement ist ebenfalls Bestandteil der Kongress-Akten, die deutsche Übersetzung hier ist von Klaus Bornewasser

(Margret Burkart)